Naturschutzgroßprojekt Pfrunger-Burgweiler Ried

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Gestochener Torf

Die Hochmoore des Pfrunger-Burgweiler Rieds mit ihren bis zu 8 m mächtigen Torfen (ohne Seekreide) stellten ab dem 19. Jahrhundert wirtschaftlich interessante Torflager dar. Dieser Sachverhalt wurde erst durch die Gründung von Wilhelmsdorf ab 1824 offensichtlich, als die Neusiedler zur Gewinnung von landwirtschaftlichen Nutzflächen einen Teil des großen Hochmoores im Südosten auf ehemals Esenhauser Gemarkung (Brachried; heute Wilhelmsdorf) für die landwirtschaftliche Nutzung hergerichtet haben und dabei durch die Herstellung der Vorflut den anschließenden Torfstich ermöglichten.

Bauern beim Torfabbau von Hand Bäuerlicher Torfstich Ende des 19. Jahrhunderts

Der Torfabbau erfolgte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst als bäuerlicher Handtorfstich zur Gewinnung von Brenn- und Streutorf. Bis in die 1920er Jahre hinein wurden hierzu industrielle, maschinengestützte Verfahren eingesetzt. Vor etwa der Kolonisierung war das Torfstechen wohl kaum bekannt oder wirtschaftlich wegen der zuvor erforderlichen Entwässerungsmaßnahmen (Schaffung bzw. Ausbau der Vorfluter) nicht interessant. Auch wegen des in den umgebenden Wäldern auf Mineralboden verfügbaren Brennholzes war die Notwendigkeit hierzu möglicherweise vor 1848 (Bauernbefreiung) auch nicht so dringend.

Karte Torfmächtigkeit Torfvorkommen von hell (0 m) nach dunkel (max. 11 m)

Der Bäuerliche Torfstich diente im Projektgebiet der Gewinnung von Brenntorf und von Streutorf (Stalleinstreu als Strohersatz). Ab den 1920-er Jahren erfolgte der bäuerliche Torfstich vermehrt mit handbetriebenen Torferntemaschinen. Der gewonnene Brenntorf diente nicht nur der Deckung des Eigenbedarfs, sondern wurde auch in den Städten der Umgebung verkauft. Besonders hoch war die Nachfrage nach Brenntorf während der Kriegs- und Notzeiten. Der bäuerliche Torfstich kam in den 1950-er und 1960-er Jahren weitgehend zum Erliegen.

Während die Entwässerungsmaßnahmen und Torfstiche des 19. Jahrhunderts noch ohne größere nachteilige Folgen auf das Ried blieben, zerstörte der maschinelle Torfabbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts größere Moorbereiche , u.a. fast alle Hochmoorschilde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bis 1996 Gartentorf gewonnen. Dieser hinterließ große Torfstichseen.

Heute

Der industrielle Torfabbau endete aufgrund behördlicher Verfügung am 31.12.1996. Insgesamt hatten die Torfstiche einen Umfang von rund 370 Hektar. Geht man davon aus, dass die Tiefe des Abbaus im Mittel vier Meter betrug, so ergibt sich ein geschätztes Abbauvolumen von insgesamt 15 Millionen Kubikmeter. Bei Projektbeginn wurde kein Torfabbau mehr betrieben.