Naturschutzgroßprojekt Pfrunger-Burgweiler Ried

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Das Hochmoor »Großer Trauben« soll wieder wachsen – Maßnahmen zur Wiedervernässung abgeschlossen FunktionDiesen Text vorlesen lassen (öffnet neues Fenster)

Männer im Moor Besichtigung der Bauarbeiten im Moor am 27. Februar 2009. Von links nach rechts: Wilhelm Claus, Landratsamt Sigmaringen (Fachbereich Gewässer); Walter Jäger, Landratsamt Sigmaringen (Fachbereich Forst); Roland Fritz, Schwäbische Zeitung; Christoph Schulz, Bürgermeister Gemeinde Ostrach; Dr. Volker Kracht, Regierungspräsidium Tübingen (Ref. 56); Adolf Kneer, Fa. Matthias Strobel GmbH & Co KG; Dr. Hans Gerstlauer, Bürgermeister Gemeinde Wilhelmsdorf und Zweiter Vorstand der Stiftung Naturschutz; Dieter Dziellak, Erster Vorstand der Stiftung Naturschutz; Dr. Alois Kapfer, Ing. Büro Dr. Kapfer; Manfred Ludwigkeit, Fa. Matthias Strobel GmbH & Co KG

Was hat das Hochmoor Großer Trauben mit dem Schloss Salem gemeinsam? Mit dieser Frage begrüßte Dieter Dziellak, Erster Vorstand der Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried, die Anwesenden des Behörden- und Pressetermins am Freitag, den 27. Februar 2009, im Gelände bei Ostrach-Egelreute und beantwortete die Frage gleich selbst: Seinerzeit hat das Land den Großen Trauben vom Haus Fürstenberg abgekauft, um dieses Natur-Juwel zu retten. Nicht zu denken, was passiert wäre, wenn es in private Hände geraten wäre! Mit ziemlicher Sicherheit würden wir dann heute nicht hier stehen, um den Abschluss der Baumaßnahmen zur Wiedervernässung bekannt zu geben, leitete Dziellak zum Anlass des Termins über. Er bedankte sich bei Bund und Land Baden-Württemberg, vertreten durch Dr. Volker Kracht vom Regierungspräsidium Tübingen, für sein Engagement im zweitgrößten Moor in Südwestdeutschland und lobte den Vertreter des Landratsamtes Sigmaringen Wilhelm Claus für die schnelle Durchführung des Planfeststellungsverfahrens.

Bagger im Wald Baggerarbeiten im Großen Trauben.

Der Stiftungsvorstand dankte auch der Kreis- und Landes-Forstverwaltung, vertreten durch Walter Jäger und Artur Kumpff, für die Unterstützung bei den Maßnahmen im Bannwald, die ein besonders sensibles Vorgehen erforderten, hier insbesondere Revierleiter Wolfgang Richter für sein großes Engagement für dieses Vorhaben. Der Große Trauben ist das Filetstück des Pfrunger-Burgweiler Rieds, bei dem nichts schief gehen durfte, betonte Dziellak und hob damit die gute Leistung des Planungsbüros Dr. Alois Kapfer, Tuttlingen, hervor, das in enger Zusammenarbeit mit der durchführenden Baufirma Matthias Strobel GmbH, Pfullendorf, vertreten durch die Bauleiter Kneer und Ludwigkeit die nicht alltäglichen Bauarbeiten begleitete. Nachdem das benachbarte Hochmoor Tisch im vergangenen Winter von einer bayerischen Firma wiedervernässt wurde, bekam diesmal ein Regionalunternehmer mit Arbeitsplätzen vor Ort den Auftrag, der nach kleinen Startschwierigkeiten die Herausforderungen im Hochmoor mit Bravour meisterte. Schließlich gehört die Wiedervernässung eines 200 Hektar großen Hochmoors nicht zum normalen Tagesgeschäft eines Bauunternehmens.

Neben den Landes- und Kreisvertretern folgten auch Dr. Hans Gerstlauer, Bürgermeister von Wilhelmsdorf und Zweiter Vorstand der Riedstiftung, sowie Christoph Schulz, Bürgermeister von Ostrach, den Ausführungen von Planer Dr. Kapfer, der die Maßnahmen anhand eines Übersichtsplans und im Gelände erläuterte. Kapfer gab einen kurzen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte und auf die hydrologischen Gegebenheiten des Gebiets: Die Entwässerung des Hochmoorkuchens begann schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dessen Ränder mit Gräben versehen und zur Torfgewinnung abgebaggert wurden. Von allen Seiten wurde am Hochmoor geknabbert. Zur Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen begann man den Moorkiefernwald zu roden. Schließlich wurden die zentralen Teile zur Vorbereitung des Torfabbaus mit einem Fahrweg und tiefen Entwässerungsgräben erschlossen.

Das Hochmoor ist ein "Kind des Regens"

Und hier setzen die Maßnahmen zur Wiedervernässung an, die nach vier Monaten Bauzeit nun abgeschlossen sind. Ziel der Baumaßnahmen ist die möglichst großflächige und dauerhafte Anhebung des mittleren Moorwasserspiegels nahe an die Geländeoberkante in den beeinträchtigten Bereichen. Das Hochmoor ist ein Kind des Regens , das ohne das Niederschlagswasser zum Sterben verurteilt ist. So wird durch den Einbau von 74 Querdämmen in den Entwässerungsgräben das Wasser zurück gehalten.

Bagger im Wald 10 bis 55 Meter lange Grabenstauwehre ragen in den randlichen Bereichen des Hochmoors anfangs wie Hügelgräber bis zu zwei Meter hoch aus der Mooroberfläche heraus.

Die Grabensperren wurden in ingenieurbiologischer Bauweise eingebaut, das heißt, es wurde Torf aus dem Umfeld der Baustellen als Dichtungsmaterial verwendet. Bei 46 der Torfwehre in größeren Gräben wurden aus statischen Gründen zusätzlich mit Fichtenstämmen armiert , die zum Schutz der empfindlichen Vegetation mit einem Lasten-Hubschrauber aus dem Forstrevier Burgweiler an die Baustellen eingeflogen wurden. Der 16 Tonnen schwere Spezial-Moorbagger, der dann mehr als 7.000 cbm Torf und 6.000 cbm Vegetationssoden zum Abdecken der Wehre verbaute, hatte einen geringeren Flächendruck als ein menschlicher Fuß.

Die Stauwirkung war unmittelbar nach Fertigstellung zu beobachten. Wie beabsichtigt, fließt überschüssiges Wasser nun langsam und breitflächig über das seitlich an die Stauwehre angrenzende Gelände ab. Durch die Rückvernässung sind das Absterben des zum Teil standortuntypischen Waldes sowie das Wachsen der Hochmoor-typischen Vegetation mit ihren Spezialisten zu erwarten. Die absterbenden Bäume bieten jedoch noch einer Vielzahl von Tieren Nahrung. Wenn wir in hundert Jahren wieder herkommen, so Kapfer schmunzelnd, dann stehen wir wieder in einem richtigen Hochmoor.

Um dem Hochmoor auch die randlichen Bereiche wieder zurückzugeben, wurden aus den nicht mehr genutzten Wiesen die entwässernden Dränagen an rund 160 Stellen unterbrochen. Auch aus Klimaschutzgründen ist die Wiedervernässung des Hochmoors von großer Bedeutung: Moore binden große Mengen an CO2 und tragen somit ganz entscheidend zur Verminderung von Treibhausgasen bei.

Mit Gummistiefeln ausgerüstet, besichtigten die Teilnehmer der Veranstaltung die 10 bis 55 Meter langen Grabenstauwehre in den randlichen Bereichen des Hochmoors, die wie Hügelgräber bis zu zwei Meter hoch aus den Wiesen herausragen, im Lauf der Zeit aber wieder auf eine Zielhöhe von 0,5 Meter zusammensacken.

Die Kosten der Wiedervernässung betragen knapp 300.000 Euro. Davon tragen der Bund 65 %, das Land 25 % und die restlichen 10 % die Stiftung Naturschutz als Projektträger (Landkreise Ravensburg und Sigmaringen, Gemeinden Ostrach, Wilhelmsdorf, Riedhausen und Königseggwald sowie der Schwäbische Heimatbund e.V.).

ACHTUNG LEBENSGEFAHR

Eine Begehung der wiedervernässten Bereiche ist lebensgefährlich, da im Umfeld der Bauwerke tiefe mit Wasser gefüllte Baugruben entstanden sind, die zum Teil von Vegetation oder umgestürzten Bäumen verdeckt sind. Mit der Zeit wird sich über den Gumpen eine dünne Pflanzendecke ausbilden, die jedoch nicht tragfähig ist. Ein unvorhersehbares Einsinken ins Bodenlose ist nicht auszuschließen.

Das Begehen des Hochmoors als Kernstück des Naturschutzgebietes Pfrunger-Burgweiler Ried ist überdies verboten.