Die Beobachtungsplattformen im Pfrunger-Burgweiler Ried
Diesen Text vorlesen lassen (öffnet neues Fenster)
Die kleinen Bauten stehen im Pfrunger-Burgweiler Ried, ca. 25 km nördlich des Bodensees. Es ist eine Naturlandschaft im Wandel, denn im Rahmen eines Naturschutzgroßprojekts soll der besondere Lebensraum Moor geschützt und zu neuem Moorwachstum angeregt werden. Große Teile des Moores werden deshalb derzeit wiedervernässt.
Die Besucherplattformen wurden im Jahr 2012 mit dem renommierten Holzbaupreis ausgezeichnet.
Der Lebensraum Moor und seine weitere Entwicklung sollen im Rahmen eines Wegekonzepts für Besucher erlebbar werden. Die Bauten sind als Aussichts- und Rastpunkte Teil dieses Konzepts.
(alle Fotos: architekturlokal)

Verantwortlich für Planung und Ausführung zwischen Dezember 2010 und Mai 2011 war das Büro architekturlokal – Wolfgang Selbach + Jürgen Kneer aus Ravensburg [Adresse und Kontakt siehe am Schluss des Beitrags ]
Resonanz
In Fachzeitschriften und Fachbeiträgen im Internet fand das Projekt viel Aufmerksamkeit:
- www.inspiration.detail.de
- www.europaconcorsi.com
- www.baunetz.de
- salongruen.blogspot.com
- Den Artikel aus der Zeitschrift Baumeister können Sie als pdf-Datei ansehen.
Für den Herbst 2011 ist eine Veröffentlichung in Mikado, der Fachzeitschrift für Holzbau, vorgesehen.
Das Projekt
- Die Aussichtsplattformen sollen jeweils einer größeren Gruppe Raum bieten. Unabhängig von Körpergröße und Standpunkt im Gebäude soll der Ausblick für jeden Besucher so gut wie möglich sein. Dies gilt vor allem für Kinder. Zugleich sollen Störungen des Umfeldes durch die Besucher so gering wie möglich gehalten werden. Bereits das Betreten und Besteigen der Aussichtsplattform sollte in Deckung erfolgen.
- Material und Konstruktion müssen sich in den Naturraum einfügen.
- Der Besuchersteg dient als Rastplatz am Wasser. Etwa 20 Personen sollen hier gleichzeitig verweilen, Vorträge halten und sich austauschen können.
Inspiration
Die offene Blockhauskonstruktion entdeckten wir in einem Bildband über historischen Farmen in den USA und später bei Wanderungen in Graubünden.
Konstruktion
Obwohl unsere konstruktiven Vorbilder zum Teil mehrere hundert Jahre alt waren, musste die Idee der offenen Blockbauweise den Anforderungen des modernen konstruktiven Holzschutzes gerecht und dem feuchten Klima des Moores angepasst werden. Kapillar wasserziehende Fugen im Auflagerbereich waren zu vermeiden.
Dies erreichten wir durch die Verwendung von besonders vergüteten Doppelgewindeschrauben, die die Fugen zwischen den einzelnen Holzlagen planmäßig auf 5 mm Abstand halten. Die Schraube wird an dieser Stelle tragend. In die Anordnung der Schrauben wurde seitens der Statik viel Entwicklungsarbeit investiert, da es für dieses Konstruktionsprinzip keine uns bekannten Vorbilder gibt.
Es war unser Ziel, die ganze Konstruktion nur aus horizontal geschichteten Hölzern zu errichten. Die Höhe der Lagen bemisst sich im unteren Teil nach dem Steigungsmaß der Treppe, deren Tritte in die Konstruktion mit "aufgestapelt" werden.
Im oberen Teil sollte die Höhe der Hölzer einen möglichst freien Ausblick ermöglichen. Allerdings erlaubt das Baurecht maximal 12 cm, um das Durchkriechen von Kindern zu verhindern.
Am Bau zeigte sich, dass die Steifigkeit der Konstruktion zur Aufnahme der horizontalen Kräfte nicht ganz befriedigend war. Die Konstruktion lies zu viel Bewegung in dieser Richtung zu. Der von uns gewählte Grundriss mit sehr spitzen Ecken im Eingangsbereich war hierfür verantwortlich. Da Änderungen am Grundriss zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich waren, mussten zusätzlicher Aussteifungen eingebaut werden.
Als Konstruktionsholz wurde Lärche gewählt. Gegründet wird jede Aussichtsplattform auf sechs Eichenpfählen.
Die Konstruktion des Steges erfolgte nach demselben Prinzip. Die Grundform aller Bauten ist ein Trapez. Die Form öffnet sich in die jeweilige Hauptblickrichtung.
Fazit
Allen Planungsbeteiligten war der experimentelle Ansatz in Bezug auf die Konstruktion wie auch in Bezug auf die Erfüllung der Funktion bewusst. Die Wahrnehmung der Landschaft aus diesem Innenraum heraus hat unsere Erwartung allerdings übertroffen. Für die speziellen Anforderungen der Vogelbeobachtung mit Spektiv erarbeiten wir gerade eine Lösung, die Optik der Bauten nicht verändert. Auch dies ist ein weiterer Schritt im Rahmen unseres "kleinen" Experimentes.
(Architekt Jürgen Kneer, im Mai 2011)
Projektbeteiligte
Bauherr
Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried, 88271 Wilhelmsdorf
Planung
architekturlokal
Wolfgang Selbach + Jürgen Kneer, freie Architekten
Eisenbahnstraße 17, 88212 Ravensburg
Tel (0751) 7646605, post@architekturlokal.de
Statik
Bernauer und Pfoser Ingenieure im Bauwesen, 88662 Überlingen
Zimmerarbeiten
Manz Zimmerei GmbH, 88356 Ostrach
- Diesen Artikel empfehlen
- aktualisiert am 11.7.2012 17:38:34
- 4204 mal besucht



